Die Geschichte von Breitenstein



Unser kleiner Harzort Breitenstein kann nun leider nicht mit großen historischen Ereignissen aufwarten, aber doch gab es auch hier große und kleine Vorkommnisse, die das Leben der Menschen unseres Dorfes berührten oder veränderten. Dies soll eine kleine Zusammenfassung der Geschichte des Dorfes werden, als Quelle wurde vor allem die im Jahre 1992 von Frau Bias erstellte Chronik zu Rate gezogen.

Erste Erwähnung und Zeit bis zum 16. Jahrhundert

Die erste urkundliche Erwähnung unseres Dorfes war im Jahre 1264, in der ein Heinricus de Breitensteine erwähnt wird. Einer der ältesten erhaltenen Gegenstände ist die kleine Marienglocke mit einer Inschrift und der Jahreszahl 1362. Auch in den darauf folgenden Jahrhunderten gibt es nur sehr wenige erhaltene historische Nachweise. In den Jahren 1469-1474 soll Breitenstein aufgrund eines Marienbildnisses Wallfahrtsstätte gewesen sein, jedoch existiert dieses Bildnis nicht mehr. Aus dem Jahre 1586 wurde eine Geschichte überliefert, nach der "ein Bär mit einer Breitensteiner Weibsperson, welche er aus den Nüssen entführt, 3 Jahr soll Haus gehalten haben, sie auch mit Wild und Wurzeln versorgt, welche sich endlich in Abwesenheit der Bestie losgemacht, das Verwahrnis vor dem Loch hinweg gewälzt und ganz verwildert in das Dorf gekommen sei, worauf sie balde gestorben."

Kriege

Die einschlägigsten Ereignisse waren leider wie überall in der Welt - Kriege, die auch an unserem kleinen Ort nicht spurlos vorüber gezogen sind. Sowohl im Dreißigjährigen Krieg von 1618-1648 hatten die Bürger sehr zu leiden, zumal zudem 1625 die Pest und 1641 ein großer Brand wüteten. Auch zur Zeit Napoleons in den Kriegsjahren von 1806-1815 sowie im Ersten Weltkrieg 1914-1918 bei dem 40 Männer aus Breitenstein fielen, derer zu Ehren noch heute eine Gedenktafel auf unserem Friedhof zu finden ist, litten die Bürgen. Der bislang letzte Krieg, der die Breitensteiner direkt betraf war der Zweite Weltkrieg 1939-1945. Am verheerendsten waren hier die letzen Tage vor Kriegsende, da am 13.04.1945 amerikanische Panzer einrückten, den Beschuss des Ortes aufnahmen, dabei mehrere Gebäude und den Kirchturm beschädigten und das Dorf bis zum Kriegsende besetzten. In diesem Krieg fielen 34 Soldaten aus Breitenstein und 2 Zivilisten. Doch nicht nur der Krieg selbst, auch die Auswirkungen dessen machten den Bürgern zu schaffen, ist es nach dem Ersten Weltkrieg die Inflation, aufgrund derer die Menschen hungern, so sind nach dem Zweiten Weltkrieg die Rationierung und die vielen Flüchtlinge und Umsiedler die Gründe für schwierige Lebensumstände.

Brände

Auch Brände im Dorf hatten immer schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1641, während der Dreißigjährige Krieg wütet, bricht das größte Feuer in der Geschichte Breitensteins aus, es brennen dabei 51 von 60 Häusern ab. Doch die Breitensteiner machten sich trotz der unsicheren Zeit bald daran ihre Häuser wieder aufzubauen. Auch später kam es noch zu großen Bränden, so verbrannten 1834 15 Häuser, 1839 8 Häuser, 1858 5 Häuser und 1868 13 Häuser. Daraufhin gründeten Breitensteiner Bürger 1888 die Freiwillige Feuerwehr Breitenstein, die seitdem bei vielen Bränden ein weitläufiges Ausbreiten und schlimmeres Unheil dadurch verhinderte. In den folgenden Jahren brannte es:
-1904 bei Heinrich Sachse und 2 Nachbargebäuden
-1905 im Wohnhaus Nr.81
-am 18.02.1925 in 3 Scheunen unterhalb der Kirche
-1926 auf dem gesamten Anwesen der Familie Seifert
-1928 im Gebäude neben dem Pfarrhaus
-1985 aufgrund eines Blitzeinschlages in Stall und Scheune des Hauses Nr. 3 im Unterdorf

Krankheiten

Wie überall blieben auch die Breitensteiner Bürger nicht vor tödlichen Epidemien verschont. So starben viele Menschen 1625 an der Pest, 1736 an einer giftigen Seuche, 1831/1832 an asiatischer Cholera und Nervenfieber, 1869 an Pocken, 1883 an Typhus und viele Kleinkinder 1886 an Diphtherie.

Bauten

Doch natürlich gab es nicht nur Leid und Schrecken im Leben der Breitensteiner Bürger, so wuchs die kleine Gemeinde im Laufe der Jahre und es wurden verschiedene Bauten errichtet. 1703 wurde so die erste richtige Schenke auf Gemeindekosten gebaut und der Kirche der jährliche Zins zugesagt. 1834 entstand gleich neben der Kirche auf dem Kirchengrund eine neue Schule, nachdem die alte Schule verkauft worden war. 1860-1962 wurde die Hermannsacker Chaussee und 1864 die Dorfstraße gebaut, 1895 bekam Breitenstein eine Poststelle und ein Telefon. 1912 wurde wieder mit dem Bau einer neuen Schule in der Dorfmitte begonnen, das Grundstück war 1905 von der Schulgemeinde gekauft worden, nachdem das darauf befindliche Gebäude bei dem Brand bei Heinrich Sachse mit abgebrannt war. 1913 konnte dann die Einweihung der Schule gefeiert werden, bei der eine Eiche auf dem Schulhof gepflanzt wurde, welche heute noch steht. 1927 wurde die Weihe von 2 neuen Glocken gefeiert, nachdem die alten Glocken in Ersten Weltkrieg abgegeben werden mussten.

Kirche

In welchem Jahr unsere Kirche gebaut wurde kann man heute nicht mehr sagen, jedoch wurde sie seit dem oft umgebaut und renoviert. 1714-1722 wurde die Kirche restauriert, ausgebaut und ein neuer Turm gebaut, worüber man bei einer Restaurierung im Jahre 1854 ein Schriftstück fand. In den Jahren 1881, 1899 und 1925/1926 haben jeweils Renovierungs- und Reparaturarbeiten stattgefunden. Nachdem der Turm der Kirche im Zweiten Weltkrieg beschädigt worden war, wurde dieser gleich 1946 repariert. Jedoch verfiel die Kirche in den kommenden Jahren immer mehr und es waren keine Gelder vorhanden um diesem Zerfall zu stoppen. 1978 musste der Kirchturm aufgrund von Einsturzgefahr teilweise abgetragen werden und 1989 musste auch die an der Ostseite des Kirchenschiffes befindliche Sakristei abgerissen werden, ebenso wurde die Orgel ausgebaut, der Kirchenturm weiter abgetragen und die alte Glocke aus dem Jahre 1362 wurde in einem stählernen Glockenstuhl im Pfarrhaushof aufgehängt. Nachdem die Kirche nun nur noch eine Ruine war, freuen wir uns heute umso mehr, dass wir, nach der Rekonstruktion und Restauration der Kirche in den Jahren 1995-1998, wieder ein schöne Sankt Magarethen Kirche in unseren Ort haben.

Glashütte

In den Jahren 1831-1834 ist die Glasfabrik gebaut worden und Carl Friedrich Vaupel erhielt am 05.11.1834 die Konzession zur Aufnahme der Produktion. In den darauf folgenden Jahren wechselten sehr häufig die Besitzer der Glashütte, bis 1890 Hermann Lamprecht die Glasfabrik gekauft hat. Dieser baute die Fabrik um und modernisierte sie, dabei wurden ein Glasofen mit hohem Schornstein, eine Schleiferei und Nebengebäude errichtet, von da an Kohle eingesetzt und die Arbeiterzahl verdoppelt. 1897/1898 baute Hermann Lamprecht unweit der Glasfabrik eine Villa. Im Jahre 1906 hatte die Glasfabrik 180 Arbeiter und hergestellt wurden: Arzneiflaschen, Augenspüler, Gläser für Tuschkästen, Flakons und Branntweinflaschen. 1926 wurde zum ersten Mal die Arbeit für ein viertel Jahr aufgrund von Absatzschwierigkeiten eingestellt. 1928 wurde Kurzarbeit eingesetzt und 1929 musste die Glasfabrik aufgrund von fehlenden Aufträgen geschlossen werden und wurde auch später nicht wieder in Betrieb genommen, die Gebäude wurden verkauft und umfunktioniert.

Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nachdem der Zweite Weltkrieg beendet war wurde Deutschland in vier Besatzungszonen eingeteilt. Breitenstein lag in der russischen Besatzungszone, welche 1949 zur Deutschen Demokratischen Republik wurde. 1951 wurde im Breitensteiner Wald Holzkohle hergestellt und ab 1952 kamen die ersten Urlauber ins Dorf, die in Privatquartieren untergebracht und in Poltes Gaststätte versorgt wurden. 1955 wurde eine Buslinie von Harzgerode über Güntersberge nach Stolberg eingerichtet und 1957 die LPG gegründet. 1959 traten dann auch die letzten Bauern in die LPG ein und die Tier- und Pflanzenproduktion war nun in genossenschaftlicher Bearbeitung. 1961 wurde das Unterdorf kanalisiert und im Oberdorf wurde ebenfalls damit begonnen und 1963 wurde auf dem Friedhof eine Leichenhalle gebaut. 1966 kaufte der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) Poltes Gaststätte und baut diese zu einer Urlauberverpflegungsstätte um. 1970 wurde die Straße im Oberdorf erneuert und das Oberdorf, die Große Gasse, die Kleine Gasse und die Schlossergasse wurden kanalisiert. Nachdem der ehemalige Pferdestall der Villa umgebaut viele Jahre als Kindergarten, Arzt- und Schwesternstation genutzt wurden war, wurde das Gebäude nach einem Brand 1974 schnellst möglich wieder aufgebaut. 1976 wurde die Mehrzweckhalle mit einer Kegelbahn gebaut. Im Jahre 1979 hatte der Ort 625 Einwohner und fast ebenso viele Urlauber. 1986 wurde ein Jugendclub am Ortseingang eröffnet und 1988 feiert die Feuerwehr von Breitenstein 100 jähriges Bestehen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 geht die Urlaubervermietung zurück und nur noch wenige Urlauber sind im Dorf. Durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen werden 1991 der Friedhof und der Park verschönert. 1998 werden zwei neue Kirchenglocken eingeweiht, die Marienglocke von 1362 existiert noch und wurde ebenfalls im Kirchturm untergebracht.